Forscher des Clausthaler CUTEC-Instituts erhalten IHK-Technologietransferpreis
Große Einsparpotenziale bei der Abwasser- und Klärschlammbehandlung erzielbar
Für den Transfer in Form einer technologieorientierten Unternehmensgründung der aquen aquaengineering GmbH erhielten die beiden Clausthaler Forscher Professor Otto Carlowitz und Dr. Christian Schröder den mit 10.000 Euro dotierten Technologietransferpreis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig.
Die aquen beschäftigt sich mit der Optimierung eines neuen Verfahrens und des dazugehörigen Anlagenbaus zur Klärschlammbehandlung, das die Entsorgungskosten um 30 Prozent reduziert und darüber hinaus die Umwelt entlastet. Professor Carlowitz ist Geschäftsführer der Clausthaler Umwelttechnik-Institut GmbH, kurz CUTEC, und Dr. Schröder leitet heute als geschäftsführender Gesellschafter die aquen in Langelsheim.
Mit der Auszeichnung würdigt die IHK nach den Worten von Präsident Dr.Wolf-Michael Schmid und dem Jury-Vorsitzenden Professor Werner Gramm den Transfer einer völlig neuen Technologie, für die sich ein erhebliches weltweites Marktpotenzial abzeichnet.
"Entscheidend für das Entwässerungsverhalten des Klärschlamms ist seine Flockenstruktur. Mit Hilfe eines Reaktors, des 'FlocFormers', und eines Mess-Systems erzeugen wir eine optimale Flockenstruktur, die dazu führt, dass das Entwässerungsergebnis um bis zu 30 Prozent verbessert werden kann", schildert Professor Carlowitz das Verfahren, das nach seinen Worten einen beachtlichen Zusatznutzen für die Umwelt hat: Die Klärschlämme kommen trockener in die Verbrennungsanlage, wodurch die Energieausbeute signifikant steigt. Die auf der Straße bewegte Trockenschlamm-Tonnage wird deutlich reduziert.
Beeindruckt hat die Juroren auch, dass es bisher weltweit keinen unmittelbaren Wettbewerber gibt und die Amortisation der Investition in die neue Technologie bereits nach weniger als zwei Jahren möglich ist. "Die Klärschlammentsorgung macht heute bis zu 30 Prozent der Abwasserreinigungskosten aus. Der 'FlocFormer' könnte allein in Deutschland in 2300 der insgesamt 10.000 kommunalen Kläranlagen zum Einsatz kommen, wodurch Einsparungen von 80 Millionen Euro im Jahr möglich würden", erläutert Dr. Schröder und verweist auf weitere Anwendungsfelder etwa in der Papierindustrie, bei der Fruchtsaftherstellung und in der chemischen Industrie.
Die 2008 gegründete aquen aqua-engineering GmbH, so Carlowitz, sei das erste Start-up-Unternehmen des CUTEC-Instituts und erwarte in diesem Jahr einen Umsatz von 750.000 Euro. "Für 2012 peilen wir den Verkauf von 25 'FlocFormer' an, so dass wir mindestens mit einer Verdoppelung des Umsatzes rechnen", ergänzt Dr. Schröder. Dies werde sich auch auf die Entwicklung der Mitarbeiterzahl, derzeit sind es sechs, positiv auswirken. Die Vermarktung, die bisher vor allem auf Zentraleuropa und Japan ausgerichtet war, soll zunehmend internationaler werden. Der japanische Markt ist für das Langelsheimer Unternehmen aufgrund der hohen Entsorgungskosten besonders attraktiv, da die Entsorgung hier vorwiegend auf thermischem Wege erfolgt.
Der Technologietransferpreis wurde in diesem Jahr zum 27. Mal verliehen. Insgesamt seien 71 Preisträger mit 34 Transferobjekten und einer Preissumme von mehr als 230 000 Euro ausgezeichnet worden, freuten sich IHK-Präsident Dr.Wolf-Michael Schmid und der Jury-Vorsitzende Professor Werner Gramm. "Mit den Erfindungen, die für die Unternehmen häufig mit einer weltweiten Alleinstellung verbunden waren, sind beachtliche Markterfolge erzielt worden", betonten Schmid und Gramm.
Bild: Die Preisträger Professor Carlowitz (links) und Dr. Schröder (rechts)
Autor(en): Pressemeldung der aqua-engineering GmbH